Sonderausstellung 2010/11 - Deutsches Meeresmuseum NATUREUM
Kathrin Heinicke, Berlin
Link zur Einladung
Ab 30. Juli 2010 ist die Sonderausstellung „Neptuns Handschrift“ im NATUREUM Darßer Ort eröffnet.
In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Meeresmuseum zeige ich hier Fotografien von Ostseebuhnen,
auf
denen das Meer die Signatur von Fischen und anderen Meereswesen
bildhauerisch hinterlassen hat.
Seit
meinem ersten Fund im Sommer 2007 verbrachte ich viele Stunden an den
Ostseeküsten und unter-suchte mehrere tausend Buhnen insbesondere auf der Halbinsel Darß. So entstanden rund zweitausend Aufnahmen, von
denen die schönsten nun zu sehen
sind.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht das Phänomen der „Fischbuhne“. In
mehreren
Jahrzehnten entstanden im Zusammenspiel aus Licht, Sand, Wind
und Wasser lebendige Kontraste an der Buhnenoberfläche, und
Skulpturen in Fisch-Form. Interessant für den Betrachter ist
die Geometrie der Motive, wie man sie nur im Bauplan der Natur
selbst findet.
Ergänzt wird die
Ausstellung durch Beispiele grafischer Muster und Porträts von
Buhnengesichtern.
An Hand der sichtbaren Buhnenhöhe dokumentiere ich
Küstenbewegungen, aber auch Jahreszeiten
und die Vergänglichkeit
der Motive selbst.
Ein Zauber wird geschenkt und auch wieder
genommen – wiederholen lässt er sich kaum.
Im
philosophischen Sinne könnte man sich die Frage stellen: Wie kommt es,
dass Wasser in seiner wirbelnden Bewegung die in ihm lebenden Geschöpfe
schleift? Welche Information trägt Wasser?
Hat Wasser ein
Gedächtnis?
Und warum werden nicht Eiswaffeln und Würstchen für die
Touristen geschliffen?
Auch eine ethisch-erzieherische Komponente
liegt in diesen Bildern. Viele Motive zeigen ein sich Hin-
wenden
zur Mitte, zum Gemeinsamen – ohne Ausgrenzung einzelner Anteile.
Diese
Formensprache
hat mich berührt und ich sehe in ihr einen unmittelbaren
Ausdruck unserer Zeit und auch der Qualitäten, die wir als Menschen zu
entwickeln haben. Die Globalität der Klima- und Naturprobleme lässt
sich heute nur noch im weltweiten Mit- einander lösen.
Bilder wie
die Fischbuhnen können helfen, ein Bewusstsein dafür zu wecken.
Ursprünglich
vom Menschen zum Zwecke des Küstenschutzes eingebracht und
der Natur des Meeres
quer entgegengestellt – hat das Meer dort, wo
Buhnen nicht ständig erneuert werden, sein eigenes Wesen wieder hinein
geschliffen und damit in Erinnerung gebracht.
Natürlich gibt es einen Lebensweg, der mich zu den Buhnenbildern
geführt hat.
Vor mehr als zehn Jahren habe ich begonnen, mich mit
Archetypen,
Bild- und Symbolsprachen zu beschäftigen. In jedem
Kulturkreis verankert sind sie nach meinem Verständnis die geistige
Grundlage aller in der Welt existierender Formen und Ereignisse.
Meine
Entdeckung
habe ich archetypisch eingeordnet und mit der Zeitqualität
in Verbindung gebracht.
Daraus entstand der Name: „NEPTUNS
Handschrift".